Alleinerziehend – wie viel Geld bekomme ich nach der Geburt?

Den dicken Bauch hinter sich gelassen, die Geburt physisch einigermaßen überstanden und psychisch noch im Status ‚wird verarbeitet‘, kommt eine Neu-Mama mit dem niedlichen kleinen Bündel auf dem Arm nach Hause.
Gesegnet sind nun die, auf die dort der ebenso von Endorphinen überschüttete Papa wartet, der nicht nur das traute Heim bereits in einen einladenden, vollständig auf das Baby abgestimmten Zustand gebracht hat, sondern auch schon den Papierwust rund um das Thema zu beantragende finanzielle Leistungen vorbereitet hat.

Was nun, wenn man alleinerziehend ist?

alleinerziehende mutter

Eine Alleinerziehende Mutter mit Baby und Kind

Alleinerziehende – ob nun Mama oder Papa – sollten es zunächst nicht versäumen, direkt nach der Geburt die Geburtsurkunde beim zuständigen Standesamt zu beantragen. Bei Fragen zum Ablauf gibt erfahrungsgemäß auch die Entbindungsklinik gerne Auskunft.

In den ersten freien Minuten Daheim heißt es dann: ran an die Anträge! Bestenfalls sind diese schon vor der Geburt gesammelt, nach Zuständigkeit geordnet und soweit ausgefüllt worden wie es möglich war. Ruhig Blut und einen kühlen Kopf bewahren, wenn es mit dem Ausfüllen nicht sofort wie von selbst klappt.

Anträge auf die Seite legen und am nächsten Tag weitermachen! Gegebenenfalls kann man sich auch mit den entsprechenden Stellen telefonisch in Verbindung setzen und wird dann für gewöhnlich sehr freundlich beraten.

Mutterschaftsgeld

Zunächst bekommt man als Mutter für die Dauer von 8 Wochen nach der Geburt weiterhin das Mutterschaftsgeld, welches man bereits seit Beginn des Mutterschutzes (6 Wochen vor dem Entbindungstermin) bekommen hat. Das Mutterschaftsgeld setzt sich zusammen aus der Krankenkassenleistung in Höhe von maximal 13 Euro pro Kalendertag und einem Zuschuss des Arbeitgebers in Höhe der Differenz zwischen dem von der Krankenkasse ausbezahlten Betrags und der Höhe Ihres ehemaligen Gehalts.

Elterngeld

Das Ihnen für einen Zeitraum von längstens 14 Monaten voll zustehende Elterngeld in Höhe von 65 bis maximal 67 Prozent Ihres ehemaligen Nettogehalts ist beim Zentrum für Familie und Soziales Ihres jeweiligen Bundeslands zu beantragen. Anträge können Sie von genannter Behörde erhalten oder sich online selbst heraussuchen und ausdrucken.

Kindergeld

Kindergeld in Höhe von 184,00 Euro je für das erste und zweite Kind, 190,00 Euro für das Dritte und 215,00 Euro für das vierte Kind ist bei der Kindergeldstelle der Familienkasse der für Sie zuständigen Agentur für Arbeit zu beantragen.

Unterhalt

Der andere Elternteil ist rechtlich zum Kindsunterhalt verpflichtet. Sollte dieser Elternteil seinen Zahlungspflichten nicht oder unregelmäßig nachkommen, so können Sie sich an das für Sie zuständige Jugendamt wenden. Dort kann eine Beistandschaft beantragt werden, welche Sie bei der Durchsetzung Ihrer Rechte qualifiziert unterstützt. So ist es zum Beispiel möglich gerichtlich einen Unterhaltstitel zu erwirken.
Sollte Unterhalt aufgrund der finanziellen Situation des anderen Elternteils nicht geleistet werden können, so kann Unterhaltsvorschuss (UVG) beim Jugendamt beantragt werden. Der Staat springt hierbei für den Unterhaltspflichtigen ein.

Arbeitslosengeld II

Langzeitbezieher von Arbeitslosengeld II haben keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Elterngeld wird in Form des sogenannten Sockelbetrags in Höhe von 300,00 Euro gezahlt, welches bei der Berechnung vom Arbeitslosengeld II anrechnungsfrei verbleibt. Kindergeld und Unterhalt beziehungsweise Unterhaltsvorschuss hingegen werden angerechnet.
Als Alleinerziehende/r erhalten Sie einen Mehrbedarf. Achten Sie in Ihren Bescheiden darauf, dass dieser berücksichtigt wurde.

Kinderzuschlag (KIZ)

Sofern Sie wieder einer Beschäftigung nachgehen ist bei einem eher geringeren Einkommen die Beantragung von Kinderzuschlag bei der Familienkasse möglich. Achten Sie im Vorfeld darauf rechtzeitig bei Ihrem Finanzamt die günstigere Steuerklasse II zu beantragen.

Hilfe beanspruchen

Lassen Sie Unterstützung zu! Die Möglichkeiten hierzu sind vielfältig. Sowohl karitative Vereine (z. B. Donum Vitae, Caritas), als auch staatliche Einrichtung (z. B. Jugendämter, Außensprechtage der Elterngeldstellen) sind heutzutage sehr daran interessiert, alleinerziehenden Elternteilen so gut es geht unter die Arme zu greifen und sie nicht hängen zu lassen. Denken Sie auch daran, dass auch Familien mit einem Elternteil Anspruch auf Familienversicherungen haben. Dabei können Prämien gespart werden, da man die Kinder mitversichert.